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Almabtrieb

Almabtrieb hat bittesehr nichts mit Abtreibung zu tun, sondern ist ein seit Jahrhunderten fest verankerter Bestandteil bäuerlichen Brauchtums. In etwa so umschrieben: Abschluss der Almweidezeit und Beginn der Winterstallung,
Das Weidevieh, das den ganzen Sommer über auf den Hochalmen verbracht hat, wird im Laufe des Monats September ins Tal gebracht. Also ins Tal getrieben, oder - wie der Volksmund es ausgedrückt: Abgetrieben. Im Tal werden die Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen,  in ihre heimischen Ställe geführt.
Je nach Witterung - meist um Michaeli (29. September) - endet die offizielle Almzeit. Dann werden die Almhütten der Sennerinnen und Senner winterfest gemacht, verstummt das "Hoi, Hoi" (Lockruf der Senner). Verstummt auch des Geläut der Leitkuh bis zum nächsten Frühjahr, wenn dann der Almzyklus - meist um Pfingsten - mit dem Almauftrieb erneut beginnt.


Im Gegensatz zu 2007 dürfte der heurige Almabtrieb nach einem wie 2019 auch heuer wieder sehr heißen Supersommer eher reibungslos vonstatten gehen. Vor genau dreizehn Jahren schrieb Bergheimat unter anderem: "...Der heurige Almabtrieb allerdings musste um 3 Wochen vorverlegt werden. Zwei Tage vor dem Papstbesuch (8.September 2007), bescherte ein Schlechtwettereinbruch dem Mariazellerland und dem Mürztal ab eintausend Meter Seehöhe über einen Meter Neuschnee. Auf der Hinteralm, im Gebiet der Schneealm waren vorübergehend 30 Rinder abgängig. Halterstab wurde gegen Schistock eingetauscht, der (vorzeitige) Abtrieb der anderntags wieder aufgespürten Rinderherde erfolgte im wahrsten Sinn des Wortes per Schier. Der Haltermannschaft wäre es ansonsten unmöglich gewesen, bis zu den eingeschneiten Rindern vorzudringen. Zu allem Übel versperrte auch noch ein durch starke Sturmböen verursachter Windbruch den normalen Weg ins Tal. Überall lagen entwurzelte Bäume und so  blieb als einzige - wenn auch Umweg - Alternative, das Vieh hinab nach Scheiterboden zu treiben. (Ortsteil der Gemeinde Mürzsteg, Nähe dem Toten Weib)
..."

Ward den Sennen ein gutes Jahr beschieden, -dem Vieh kein Leid widerfahren, wird das Vieh (in der Regel nur die Rinder) festlich geschmückt ins Tal getrieben. Die im Bild links abgebildete Sonderbriefmarke (Ausgabe 4. Oktober 1991) dokumentiert einen Tiroler Almabtrieb. Der wunderschöne - aus Tannenreisig, Alpenblumen, bunten Bändern, Flitter bestehende Kopfschmuck - wird den Kühen nach uralter Tradition von den Sennerinnen und Sennern angelegt (im Volksmund auch Aufkranzen genannt), bzw. über Kopf und Gehörn gewunden. In Österreich und in Bayern wird das gesamte Vieh geschmückt, in anderen Regionen hingegen nur die Leitkuh. Als weiteren Schmuck erhalten die Kühe, je nach Rangordnung, verschieden klingende Glocken  um den Hals gehängt. Diese sollen mit ihrem Geläut die feindlichen Dämonen auf dem Abtriebsweg vertreiben.
Im Obersteirischen ist dieser einstmals festliche Brauch weitgehendst verblaßt. Das Vieh wird zwar mancherorts weiterhin abgetrieben, jedoch nur mehr spärlich bekränzt. Wo es aufgeschlossene Forststraßen gibt, werden die Rinder kurzerhand auf den Traktor verfrachtet und ins Tal gefahren. In vielen Regionen ist dieser althergebrachte Brauch nur mehr als sogenannter Schaubrauch und als Touristikattraktion, verbunden mit Musik, Bewirtung und Tanzveranstaltungen, zu sehen. In diesem Zusammenhang erwähnenswert: Der  Almabtrieb  am Obersee im Berchtesgadener Land. Dort werden die Kühe von der Moos- und Fischunkelalm abgetrieben und -da diese Almen nur mit dem Boot erreichbar sind - die Tiere mit Booten über den Königssee gerudert.
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