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Eisstockschießen - beliebtes Freizeitvergnügen.
Eisstockschießen ist seit altersher beliebtestes Wintersport - Freizeitvergnügen sowohl im Mariazellerland als auch im Mürztal. Eine Zeit lang Domäne der älteren Generation, interessiert sich zunehmend auch die Jugend für diesen Breitensport mit (inzwischen) olympischem Flair. Interessant ist, dass das Eisstockschießen uraltes, obersteirisches Brauchtum darstellt. Eine Sportart als Brauch? werden jetzt Viele denken. Blättert man in den Annalen, wird - und das gerade zur Faschingszeit - das Eisstockschießen oftmals erwähnt. Wer diese Sportart erfunden...Es geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor. Wenn im Winter Feld und Flur verschneit- die Arbeit auf dem Bauernhof weitgehendst ruhte, vergnügten sich Bauern und Knechte damit, ihre Eisstöcke - aus Holz rund gedrechselte- mit einem Eisenring versehene, deckelartige Gebilde, denen ein ca 30cm langer Stiel (Stengl genannt) eingebohrt wurde damit man sie anfassen konnte - über eine möglichst gerade, (früher bis zu  90 Meter lange) vereiste Strecke zu schieben. Dies geschah (und geschieht heute noch) in der Form, dass der "Eisschütze" den Eisstock mit gestreckten Arm einige Male vor- und rückwärts schwingend (in der Fachsprache läut'n genannt),  den Anweisungen des am anderen Ende der Eisbahn stehenden "Moars" (Mannschaftsführer) gemäß über die Eisfläche gleiten läßt. Hierbei gilt es  so nahe als möglich an die am Bahnende in Bahnmitte liegende "Has" (ein ca 15x15 cm großer Holzwürfel) heran zu kommen, oder mit einem präzisen und schwungvollen Schuß einen gegnerischen Eisstock aus der Bahn zu schießen. (Curling ist in Etwa am ehesten mit dem Eisstockschießen vergleichbar.) Damit man auch richtig Maß- und Schwung nehmen kann, gibt es an jedem Bahnende- oder wenn Sie so wollen: Anfang, die "Fuaßn". Eine mittig in das Eis gehauene, ca 20 cm breite Vertiefung, in der der (die) jeweilige Schütz(in)e das Standbein abstützen kann.
Wie schon vorhin erwähnt, ist der "Moar" der Mannschaftsführer. Die restlichen Eisschützen sind die "Knechte." Die Mannschaftsermittlung ist denkbar einfach. Zu Beginn wird "Angeschossen". Alle Beteiligten versuchen, ihre Eisstöcke so nahe als möglich an die "Has" heran zu schieben (schießen). Dann werden die Stöcke aneinander gereiht. Derjenige, der der Has am nächsten ist, ist dann der "Engmoar", dem der nächst nähere Stock folgt, und so weiter. Danach werden die Eisstöcke abgezählt, und der "Weitmoar" ermittelt. Dies geschieht ganz einfach in der Reihenfolge der aneinandergereihten Eisstöcke. Wenn. z.Beispiel zehn Schützen ihre Stöcke auf der Bahn haben, ist der sechste Stock Weitmoar, und schon sind die zwei Mannschaften ermittelt. Ergibt sich eine ungerade Zahl, z.B. elf Stöcke, ist bei den "Engen" derjenige, der am zweitnächsten hinter dem Engmoar Plazierte der "Knopf", was wiederum bedeutet, dass er - genauso wie die Moare - zwei Mal schießen darf, während die übrigen Knechte jeweils nur einen Schuß pro "Boot" (ist ein Durchgang) zur Verfügung haben. Wer zuerst drei "Boote" gewonnen hat, ist Sieger. Hernach werden die Eisstöcke wieder in der vorhin beschriebenen Reihenfolge zusammengestellt,und ein neues "Boot" mit neuen Mannschaften beginnt. Oft bis in den späten Abend hinein ertönt das eherne Geräusch, wenn Eisen auf Eisen prallt... Erhitzen sich Gemüter, wenn ein Meister- oder Fehlschuß besonders diskutiert... macht so mancher Glühweinbecher die Runde. (Bild: Eisschießen am Mariazeller Hauptplatz)
Bei Betriebseisschießen oder Vereinsmeisterschaften gibt es besondere Regeln, die dann genau eingehalten werden müssen. Weitgehendst durchgesetzt hat sich in jüngerer Zeit das "Zeitschießen", was nichts anderes bedeutet, als dass nach Ablauf einer vorher festgelegten Spielzeit diejenige Mannschaft gewonnen hat, die die meisten Punkte für sich verbuchen kann. Die Punktezählung  erfolgt wiederum auf ganz einfache Art und Weise: Um die Mannschaften auseinander halten zu können, werden sie mit roten und grünen Mascherl gekennzeichnet. Die Moare haben dann noch zusätzlich, an Holzlatten befestigte, Fähnchen mit denen sie dem jeweiligen Schützen anzeigen, wohin er zu schießen hat, bzw. was- und wie er treffen sollte. Wird ein Punkt verbucht, geschieht das in der Form, dass der Moar mit einem Taschenmesser einfach eine Kerbe in seinen Zeigestock schneidet.
Eine weitere beliebte Form ist das "Knödelschießen", das deswegen so heißt, weil es hier um Speis und Trank geht. Die Zeche zahlen (wie überall im Leben), die Verlierer.    top  nach oben